Nach ein paar Bewerbungen kamen dann auch die ersten Reaktionen.
- der erste Anruf war von einer Arbeitsvermittlungsfirma, die mir einen Job als Flugbegleiter und Bodenpersonal anbieten wollte. Das war leider nicht ganz das was ich mir vorgestellt hatte.
- das erste Vorstellungsgespräch war etwas außerhalb der Stadt in einer kleinen Fabrik für Plastikfolien. Am Anfang kamen ein paar einfache Fragen in Chinesisch, die ich auch problemlos beantworten konnte. Und dann ging es in Englisch weiter. Ich hatte in meinem Profil auf der Jobseite hingeschrieben, dass ich 2,5 Jahre als Sales Assistant (weil das System der deutschen Ausbildung kennt hier keiner und man meine Arbeiten im Ausbildungsbetrieb eher mit einem Vertriebsassistenten gleichstellen kann) gearbeitet habe. Dann kamen aber Fragen wie, ob ich auch Kunden besucht hatte (das macht normalerweise der Außendienst oder der Verkaufsleiter) und ob ich Zielvorgaben hatte (eigentlich ist sowas nur für Verkäufer). Ich glaube er hat meinen Lebenslauf nicht wirklich gelesen. Am Ende meinte er dann, dass ich fließend Chinesisch sprechen können müsste, darum sollte ich mich lieber bei amerikanischen Firmen bewerben, weil ich da kein Chinesisch brauche. Hmm, warum lädt man eigentlich einen Ausländer mit fließend Englisch und Deutsch ein, wenn man mit einem Taiwaner besser bedient wäre???
- beim zweiten Vorstellungsgespräch hat man mir gleich am Anfang gesagt, dass die kein Chinesisch von mir erwarten. Hörte sich gut an. Aber man hat von mir verlangt, dass ich technische Zeichnungen lesen können müsste. Also auch wieder nichts.
- beim nächsten stand in der Einladungsmail, dass ich meinen ausgedruckten Lebenslauf mitbringen sollte. Kein Problem. Als ich dann ankam, war die International Sales Managerin (mit der ich das Vorstellungsgespräch hatte) überrascht, dass ich ein Ausländer bin. Und da man von einer International Sales Managerin nicht erwarten kann, dass sie Englisch sprechen kann, hat sie einen Ausländer, der in der Firma arbeitet, als Dolmetscher dazu geholt. Danach hat sie sich erstmal in Ruhe den Lebenslauf durchgelesen (ich bezweifele stark, dass sie etwas verstanden hat). Eigentlich ging es in dem Vorstellungsgespräch halt nur darum, dass man sich erstmal informieren müsse, wie man eine Arbeitserlaubnis für einen Ausländer beantragen kann. Der Ausländer in der Firma brauchte dies nicht, weil er mit einer Taiwanerin verheiratet war. Laut ihren Aussagen, wussten sie nicht mal wo man sich darüber erkundigen könnte. Und es das Ausfüllen hörte sich auch sehr unmöglich an. Na herzlichen Glückwunsch. Wie hat man es eigentlich geschafft, die Firma anzumelden. Sie werden sich dann melden, wenn sie die Informationen über die Beantragung der Arbeitserlaubnis für Ausländer hat. Ich bin sehr gespannt, ob da noch was draus wird. Vielleicht sollte ich mir das Formular und den Infobogen dafür selber besorgen und bei jeder Bewerbung mitschicken. Aber eigentlich ließt so eine Bewerbung auch keiner wirklich.
- Neben den Vorstellungsgesprächen gab es auch einigen Anrufe, von Firmen, die mich zu einem Vorstellungsgespräch einladen wollten.
Einmal habe ich versucht nur in Chinesisch mit der Dame am Telefon zu sprechen, aber sie hat trotzdem erkannt, dass ich Ausländer bin und sich entschuldigt und aufgelegt.
Also frage ich meistens in Chinesisch, ob die Dame am Telefon Englisch sprechen kann. Das Ergebniss ist wie in einem anderen Eintrag schon beschrieben: einfach auflegen. Ich glaube Taiwaner würden lieber ins Messer laufen als Englisch sprechen.
Naja, ich bleibe am Ball.
